Haften Fernbusanbieter fürs Gepäck?

Endlich mit dem Fernbus am Ziel. Die Klappe des Gepäckraumes geht auf, doch – oh Schreck – der Koffer ist weg. So erging es einer Frau auf der Fahrt von Dresden nach München. Der Busfahrer hatte das Gepäck im Gepäckraum verstaut. Der Bus machte Zwischen­stopps in Chemnitz und Regens­burg, da musste es wohl passiert sein. Eigentlich ein klarer Fall?! Doch das Fernbus-Unternehmen weigerte sich, das Gepäck­stück zu ersetzen, daraufhin klagte die Besitzerin.

Das Amts­gericht München entschied, dass das Beför­derungs­entgelt in diesem Fall auch die Pflicht umfasst, das Gepäck des Fahr­gasts zu trans­portieren – nicht nur ihn selbst (AZ: 283C 5956/15). Das Fernbus-Unternehmen musste den Schaden ersetzen.

Nach dem Urteil haben viele Fernbusanbieter angekündigt, die Gepäckhaftung stark einzuschränken, rechtlich ist das nicht ganz so einfach, denn nach der Europäische Verordnung Nr. 181/2011 haften Busunternehmen bei Verlust oder Beschädigung bis maximal 1200 Euro pro Koffer.

Fernbus FeiertageVerwechselt oder bewusst gestohlen? Manch ein Busfahrer vermutet gar organisierte Diebesbanden. Dennoch sind die Kofferverluste bei Fernbussen recht gering, sagen die Unternehmen. Entscheidend für die Klärung der Haftungsfrage ist, in wessen Gewahrsam sich der Koffer zum Zeitpunkt des Diebstahls befand. Wenn das Gepäckstück aus dem geöffneten Gepäckraum entwendet wurde, kann der Fernbusanbieter dafür haftbar gemacht werden. Hat der Kunde sein Gepäck bereits erhalten, es kurz neben sich abgestellt und unbeaufsichtigt gelassen, haftet er selbst. Für Gepäck welches er mit in den Fahrgastraum nimmt, haftet er in der Regel ebenfalls selbst.

Stritting in der Praxis ist oft die Höhe der Entschädigung. Der Fahrgast muss nachweisen, was sich in dem Koffer befand und das ist häufig das Problem. Experten raten daher vor dem Schließen des Koffers mit dem Handy ein Bild des Inhaltes zu machen und Quittungen für Koffer und Inhalt generell aufzubewahren. Anspruch besteht nur für den Zeitwert des Gepäcks, in der Praxis ist das häufig die Hälfte des Neuwertes. Übrigens: Wertsachen gehören nie ins aufgegebene Gepäck.

Den Diebstahl nicht nur beim Fahrer, sondern auch bei der Polizei anzeigen und dann die Ansprüche beim Busunternehmen schriftlich geltend machen. Bekommt man darauf keine zufriedenstellende Antwort, kann man sich an die Schlichtungsstelle für öffentlichen Nahverkehr (SÖP) wenden. Dort findet man in über 80% der Fälle eine Lösung.

Übringens sollte man seine Hausratsversicherung prüfen, denn manche Versicherungen enthalten in eingen Fällen einen Schutz. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine Reisegepäckversicherung abschließen, inzwischen gibt es sorgar Policen, die speziell auf Fernbusreisen ausgerichtet sind. Die kosten nur wenige Euro im Jahr.